Karin Schwaer - 30.03.2026
Wenn Sie aktuell KI-Inhalte auf YouTube konsumieren, dann sieht Ihr Startfeed wahrscheinlich genau so aus.
Ein Thumbnail ist auffälliger, bunter und kreativer als das nächste.
Die reinsten Kunstwerke, wenn man mal genauer hinsieht.
Willkommen bei KI in der Arbeitwelt 2026 - ALLES IRRE - oder was?

Okay. Einmal tief durchatmen.
Sehen wir uns das mal etwas unaufgerechter an.
Am 05. März 2026 hat Anthropic, eines der führenden KI-Unternehmen neben OpenAI und Google, folgendes Paper veröffentlicht:
Viel Aufmerksamkeit, auch auf Social Media, hat dabei folgendes Diagramm erzeugt:

Dieses Diagramm zeigt zweierlei: was KI theoretisch bereits heute leisten könnte (blau) – und was tatsächlich beobachtet wird, also wo KI heute wirklich genutzt wird (rot).
Die Lücke zwischen Potenzial und Realität ist derzeit noch groß.
Allerdings kann man sich schon vorstellen, dass sich der rote Bereich immer mehr Anteile erobern wird.
Schauen Sie es sich genau an und ordnen Sie für sich persönlich ein, inwieweit Sie in Ihrem Bereich betroffen sein könnten.
Die Bereiche mit dem höchsten KI-Potenzial sind keine Randbereiche – das sind derzeit qualifizierte Fach- und Führungskräfte.
Mit anderen Worten: Die heute gut bezahlten Jobs.
Okay - nochmal tief durchatmen.
Jetzt wird es wieder ein wenig entspannter, versprochen :-).
Weltweite KI-Nutzung derzeit:

Kurz zur Erläuterung: Jeder Punkt steht für 3,2 Millionen Menschen:
Man sieht, da ist noch jede Menge Luft.
Zur Quelle: Das Diagramm mit den 2.500 Punkten wird primär Damian Player (Director of Marketing & Brand bei Cognition AI) zugeschrieben. Er veröffentlichte die Visualisierung im Februar 2026 auf LinkedIn, um die Diskrepanz zwischen dem KI-Hype in der Tech-Blase und der tatsächlichen globalen Nutzung zu verdeutlichen.
Es wurde von vielen reichweitenstarken Menschen, wie z. B. Steven Bartlett, aufgegriffen. Der Screenshot zeigt die Diskussion auf dessen Profil. Wer sich die Diskussion mal ansehen möchte: hier entlang.
Es ist also noch Zeit!?
Doch die Frage ist, wieviel?
Exponentielles Wachstum sieht lange nach nichts aus – und dann geht es so schnell, dass unser Verstand kaum noch mitkommt. Dazu mehr im Artikel: "Das 8. Weltwunder".
Wir sind nicht dafür gemacht, exponentiell zu denken und genau das kann zum Problem werden.
Halten wir also für den Moment, im Frühjahr 2026, fest:
Doch was bedeutet das konkret – nicht für die Welt, sondern für Sie persönlich, in Ihrem Job, in Ihrem Unternehmen?
Beginnen wir mal mit folgender Frage:
Mir fallen nur wenige Szenarien ein, in denen das passieren könnte:
Könnte alles passieren, sicher. Aber dauerhaft? Wohl eher nicht.
Denn das ist die andere Seite der Medaille:
Wirtschaftlich:
Technisch:
Gesellschaftlich:
Und dann sind da noch die Zahlen:
In keine Technologie der Geschichte ist in so kurzer Zeit so viel Geld geflossen.
Es geht um Investitionen im Billionen-Bereich.
Das macht es nochmal deutlich unwahrscheinlicher, dass diese Technologie nicht weiter verfolgt wird, oder?
Und der vielleicht stärkste Grund von allen:
Wie hat es denn in der Vergangenheit ausgesehen bei technologischen Entwicklungen?
Wurden PC und Internet wieder abgeschaltet, weil zu gefährlich, und statt dessen wieder Schreibmaschinen aufgestellt?
Zum 2000er-Jahreswechsel herrschte helle Aufregung - vor allem in den IT-Abteilungen auf diesem Planeten.
Viele hatten nämlich keine Ahnung, ob ihre Systeme die Umstellung von 1999 auf 2000 sauber hinbekommen.
Auch damals gab es apokalyptische Vorhersagen:
Ab 01. Januar 2000 könne alles stillstehen, kein Strom mehr usw.
Zu dem Zeitpunkt war es übrigens noch nicht üblich, dass jeder Arbeitsplatz überhaupt einen PC, geschweige denn einen Internetanschluss hatte.
Nicht jeder konnte oder durfte E-Mails versenden und die wenigsten hätten überhaupt gewusst, wie das geht.
Doch wer es nicht lernte, konnte sich nur noch begrenzte Zeit durchschlängeln.
Es sei denn, man war Chef und saß ansonsten fest im Sattel.
Doch eine Neueinstellung nur mit Schreibmaschinenkenntnissen ohne PC-Know-how? Wurde immer schwieriger.
Das gleiche erleben wir heute:
Überall wird berichtet, dass es für Jobeinsteiger deutlich schwieriger sei als noch vor ein paar Jahren.
Das klassische Studium wirkt derzeit so, als würde man auf einem Schreibautomaten tippen lernen, während überall bereits der PC Einzug hält und man leider auch sonst keine Ahnung hat, wie der Hase so läuft. Woher auch?
Ob das gerechtfertigt oder überspitzt ist? Ich weiß es nicht.
Doch sicher ist: Heute geht es noch schneller.
Kurz nach dem Launch von ChatGPT im November 2022 war plötzlich "Prompt-Ingenieur" der neue Traumjob.
Es hieß, dass atemberaubende Gehälter möglich seien, mehrere hundertausend Euro pro Jahr wurden in Aussicht gestellt.
Darüber redet heute niemand mehr.
Die KI schreibt die Prompts selbst.
Die neue Kompetenz ist, ihr die richtigen Prompts zu entlocken, nicht mehr sie selbst zu schreiben. Basics, mehr nicht.
Denn wir reden längst von anderen Dingen:
Mit Geschichten wie der von Peter Steinberger hat bereits eine neue Ära Einzug gehalten.
Die Nerd-Bubble ist mehr als aufgeregt in diesen Tagen.
Nun kann jeder die Software entwickeln, die er immer schon haben wollte. Damit lassen sich dann kinderleicht eigene Unternehmen aufbauen, da niemand mehr von der Technik ausgebremst wird.
So die Theorie.
Die KI kommt bereits zu den Menschen, ob sie es wollen oder nicht. Wie schon erwähnt, alle führenden Softwareanbieter haben längst KI-Features integriert. Gefragt hat da niemand.
Je nach Unternehmen, Position und Aufgabenbereich stehen die Tools zur Verfügung, man kann sich langsam daran gewöhnen und sehr schnell weiß man gar nicht mehr, wie es ohne ging.
Genauso wenig, wie heutzutage noch Anträge auf Schreibmaschinen getippt werden (außer für Behördenformulare, da sind sie vielleicht bis heute unverzichtbar).
Die gute oder auch die schlechte Nachricht ist: Niemand weiß es.
Ich war am 26. und 27. März auf der data:unplugged in Münster, der größten Daten- und KI-Konferenz Europas, und habe dort folgendes mitgenommen:
Wer sich für meine Take-aways vom d:u-Festival interessiert, findet mehr auf meinen KI-Blog unter folgendem Link: Data:unplugged 2026 in Münster.
Solange die Unternehmensleitung das Thema nicht auf dem Schirm hat, gibt es vielleicht noch eine Weile ein fröhliches Weiter-so-wie-bisher.
Doch das kann sich von heute auf morgen ändern – durch wirtschaftlichen Druck, einen neuen Wettbewerber, einen Führungswechsel.
Und dann geht es oft schnell.
Man sollte wohl ein grundlegendes Verständnis dafür entwickeln, was da gerade so passiert und sich nicht darauf verlassen, dass klassische Aus- und Fortbildungen diesen Bereich abdecken werden.
Dafür geht es alles viel zu schnell.
Doch wir leben im digitalen Zeitalter. Und damit ist Wissen nur einen Knopfdruck entfernt.
Es gibt viele YouTube-Kanäle, die am Thema dran sind und mit coolen Thumbnails und Titeln auf sich aufmerksam machen.
Hier mal ein Beispiel eines von mir durchaus geschätzten Kanals:

Sie kennen hoffentlich alle Begriffe im Untertitel, sonst wird es für Sie ganz, ganz schnell, sehr, sehr übel.
Okay, Scherz beiseite.
Wenn es im Unternehmenskontext (noch) keine Rolle spielt, sollte man sich auf jeden Fall privat mit dem Thema beschäftigen und sich mit einigen Tools vertraut machen.
Es ist wohl auch empfehlenswert, aufmerksam zu beobachten, wie sich Dinge im Unternehmen entwickeln.
Und vielleicht eine ganz andere Idee:
Beantragen Sie einfach mal die Kostenübernahme für eine KI-Veranstaltung wie z. B. die data:unplugged.
Dann hält man Sie automatisch ganz schnell für einen KI-Spezialisten, den man auf jeden Fall bei künftigen Herausforderungen benötigt :-).
Doch es gibt natürlich auch mehrere "Elefanten im Raum".
Ich hatte letztlich eine Diskussion, in der es darum ging, dass jemand auf eigene Faust seine Aufgaben mit KI automatisiert hatte.
Dinge, die sonst Tage dauerten, konnten jetzt tatsächlich in kurzer Zeit quasi auf Knopfdruck erledigt werden.
Die Erwartung war nun, sich das bei der nächsten Gehaltsverhandlung auch ordentlich bezahlen zu lassen.
Darüber sollten wir mal einen Moment nachdenken.
Denn das kann natürlich sehr schnell richtig nach hinten losgehen.
Mal abgesehen von Sicherheits- und Rechtsfragen (Compliance, Datenschutz und was da alles reinspielen könnte), die zu richtig viel Ärger führen können, kann man sich damit auch sehr schnell selbst weg rationalisieren.
Das kann ja nicht Ziel der Übung sein.
Das alles kann in der nächsten Zeit durchaus noch sehr ruckelig werden.
Und solche Zeiten führen dann manchmal auch zu Schnellschüssen und Entscheidungen, die kaum revidierbar sind.
Deswegen ist so notwendig wie vielleicht niemals zuvor, sich auf Mitarbeitergespräche und auch Gehaltsverhandlungen sehr gut vorzubereiten.
Dann klappt es auch mit mehr Geld, Beförderung, neuem Titel oder was auch immer das Ziel sein könnte.
Gehen Sie stets gut gelaunt und bestens vorbereitet in wichtige Jobgespräche und wenn Sie mögen, lassen Sie sich dabei unterstützen.
Mein Motto lautet immer: In 2–3 Stunden fit fürs Gespräch – mit System.
Übrigens macht es wirklich Spaß, sich mal mit der eigenen Situation konzentriert zu beschäftigen.
Alle Infos zu den zur Verfügung stehenden Angeboten finden Sie auf der Startseite.
Mehr Inspiration gibt es auch auf meinem YouTube-Kanal.
ÜBER DEN AUTOR

Karin Schwaer
Mein Motto: In kurzer Zeit FIT fürs Jobgespräch - mit der PIAZZA-Formel®.
Als Wirtschaftsjuristin, Wirtschaftsmediatorin, Negotiator und Gehaltscoach für Fach- und Führungskräfte unterstütze ich seit vielen Jahren qualifizierte und im Job erfolgreiche Menschen, mit einer maßgeschneiderten Strategie gut gelaunt und bestens vorbereitet in Gehaltsverhandlungen, Einstiegsverhandlungen und Mitarbeitergespräche zu gehen.
Ich habe über 30 Jahre Berufserfahrung in der freien Wirtschaft sammeln können, davon über 15 Jahre als Führungskraft und fast 10 Jahre als Geschäftsführerin einer kleinen Consultinggesellschaft. Damit kenne ich beide Seiten des Verhandlungstisches sowie die Stolpersteine, die auftauchen können, wenn es um das "Verhandeln in eigener Sache" geht.
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Karin Schwaer
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Karin Schwaer - Wirtschaftsjuristin und Gehaltscoach für Fach- und Führungskräfte
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